Gustatorisches Schwitzen - Geschmacksschwitzen

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Gesichtsschwitzen beim Essen - gustatorische Hyperhidrosis

Sehr auffällige Schweißausbrüche bei der Nahrungsaufnahme gehören oftmals auch zum Erscheinungsbild einer symptomatischen Hyperhidrosis. Eine Sonderform dieser speziellen Hyperhidrosis ist das sogenannte gustatorische Schwitzen, auch als Frey-Syndrom, oder fachspezifisch Aurikulotemporales Syndrom bezeichnet.

In der Literatur und aus der medizinischen Erfahrung ist bekannt, dass dieses Syndrom häufiger bei Männern vorkommt, bei Frauen hingegen das sogenannte Flushing (plötzliche Gesichts-, Hals- oder Bruströtung) im Vordergrund steht. Das Problem kann ein Leben lang bestehen. Das Syndrom kann angeboren sein oder sich infolge eines Geburtstraumas einstellen.


Diese abnormale Form des Schwitzens erstreckt sich zonal auf Hautbereiche im Gesicht (Jochbeinregion), am Hals oder den Schulterpartien und wird beim Verzehr jeglicher Speisen oder allgemein durch Geschmacksreize wie Kauen, Beißen oder Schmecken provoziert. Selbst der Gedanke an oder ein Gespräch über das Essen kann diese Form des Schwitzens anstoßen.

Diese Phänomen der Transpiration stellt sich meist völlig unabhängig von der Nahrungszusammensetzung und Nahrungsart ein. Es ist aufgrund seiner Entwicklung meist neurogen, also nervlich bedingt, und kann zur extremen Belastung für den Betroffenen werden. Die Eigentümlichkeit des gustatorischen Schwitzens kann jedoch ebenso eine physiologisch bedingte Hyperhidrosis sein, was sich insbesondere dadurch abzeichnet, dass das Schwitzen auffällig symmetrisch abläuft.

Ursächlich für dieses Geschmacksschwitzen ist eine Fehlleitung (neuronaler Kurzschluss) von Nerbvenfasern und -impulsen. Nerven, die ursprünglich die Speichelsekretion stimulieren werden z.B. nach einem Trauma, infektiösen Erkrankungen oder einer Operation (Parotidektomie: Entfernung oder Teilentfernung der Ohrspeicheldrüse) im Prozess der Regeneration der zuvor geschädigten Nerven an sympathische Nervenfasern angebunden, die die Schweißsekretion steuern.

Vereinfacht ausgedrückt haben die ebenfalls über den Botenstoff Acetylcholin gesteuerten Nervenimpulse zum Speichelfluss ihr primäres Organziel Speicheldrüse verloren und sind nun an den Schweißdrüsen angebunden.

Neurochirurgische Eingriffe zur Behebung des Schwitzens wie die endoskopische transthorakale Sympathektomie können mit einigen Nebenwirkungen verbunden sein. Es kann sich beispielsweise aufgrund der neuronalen Umstellung eine postoperative Reaktion in Form des gustatorischen Schwitzens manifestieren, was sich für den leidenden Patienten als zusätzliche oder neue Belastung und somit als kontraproduktiv erweisen würde, denn die Vermeidung des Schwitzens war ja schließlich das ursprüngliche Behandlungsziel.


 

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