Autogenes Training bei Hyperhidrosis

Die Entspannungstechnik des autogenen Trainings (kurz AG) ist wohl die bekannteste Vorgehensweise, mit nur geringen Aufwendungen körperliches Wohlbefinden zu erlangen. Über die Thematik wurde in der Vergangenheit viel berichtet und verfaßt, was zugleich als Indikator für eine nicht mehr zu leugnende Heilwirkung dieses Selbsttrainings betrachtet werden kann. Andererseits symbolisiert der zunehmende Bekanntheitsgrad und das steigende Interesse am autogenen Training aber auch die in der heutigen Zeit inflationäre Ausweitung von Stress und Spannung in Beruf und Alltag.

Autogenes Training gegen Schwitzen

Der Prozeß des AG begegnet Streß und Ängsten mit einer hohen Effektivität, weshalb sich auch der Hyperhidrotiker durchaus mit dieser Entspannungstechnik auseinandersetzen sollte, denn Angst und Streß können bekanntlich hauptursächliche Faktoren für übermäßiges Schwitzens sein.

Tiefenentspannung Liegehaltung beim autogenen TrainingDas autogene Training stellt eine Art Kunst der Tiefenentspannung dar, in der Wirkung ähnlich eines gesunden Schlafzustandes, der aber von autogen Trainierenden bewußt empfunden und wahrgenommen wird. Der Schlafprozeß hingegen, mit seinen eigentümlichen Vorgängen des Träumens, verläuft mehr auf unbewußter Ebene.

Das AG dient vorrangig prophylaktischen Zwecken. Mit einer raschen „ Abschaltung auf Kommando“ gelingt es, auf ansprechende und sehr häufig überfordernde Aufgaben des Alltags und der Berufswelt vorbereitet zu sein, den Anforderungen und den Erwartungen der zivilisatorischen Betriebsamkeit Einhalt zu gebieten und das höchste Gut des Menschen, dessen Gesundheit, mit nur geringfügigen Aufwendungen zu schützen und zu stabilisieren.

Der Begründer dieses revolutionären Instrumentes der Selbsttherapie, I.H. Schulz, entwickelte das AG stützend auf bereits fundierte und empirische Erkenntnisse aus der Hypnoseforschung. Die durch einen Hypnosetherapeuten vermittelten Heilsuggestionen in einer Behandlung konnten der Auffassung des Begründers zufolge mit geringfügigen Abwandlungen eigenständig durch den Patienten selbst erzielt werden.

Diese Studie war zugleich die Geburtsstunde des autogenen Trainings, eingeleitet und stimuliert durch den Prozeß der hypnoseverwandten Autosuggestion, einer Art introspektiver Beeinflussung des menschlichen Seelenbefindens durch Worte oder deren gedankliche Vorstellung.

All die auf dem Markt angebotenen Lektüren, auditiven Hilfsmittel wie Videos oder Musiccassetten, ermöglichen zwar einen generellen Einblick in die Technik und Anwendung des AG, mittels eines Bücher- oder Videokurses erscheint das Erlernen der Entspannungsmethodik, mit dem Ziel der alltäglichen Anwendung und Nutzbarkeit, allerdings in weite Ferne gerückt. Autogenes Training kann und sollte nur seitens eines mit Sachverständnis gerüsteten, kompetenten Vermittlers geschult werden, unabhängig ob in Gruppen, Einzelsitzungen, Seminaren oder sonstwo.

Entscheidend für die Wirkung und somit für den therapeutischen Effekt des AG ist fast ausschließlich die Erfahrung des Lehrers. Nur wenn dieser notwendige Voraussetzungen und Fachwissen mitbringt, sieht sich der Lernwillige in der Lage, diese Technik nach mehrfachem Üben eigenständig zu beherrschen und in sein alltägliches Leben zu integrieren.

Tiefenentspannung Sitzhaltung beim Autogenen TrainingIm Alltag findet sich eigentlich immer Zeit, dieses Anti-Streß-Training mit nur minimalem  Zeitaufwand optimal und erfolgreich einzusetzen. Hat man schließlich die Form der Selbstkonzentration in professioneller Anwendung erlernt, so kann man getrost auf anfänglich noch erforderliche Übungsvoraussetzungen komplett verzichten.

Wenn der Anwender erst einmal positive Erfahrungen im Umgang mit dem  Entspannungstraining gemacht hat, so wird er dieses Hilfsmittel gar nicht mehr aus seinem  Alltag wegdenken wollen.

Nach erfolgreichem Lernprozeß kann man dann selbst unter schwierigsten Bedingungen ein mentales Abschalten, eine Flucht aus der alltäglichen Hetze und Hysterie realisieren, was sich unstrittig auch hinsichtlich des Krankheitsbildes Hyperhidrosis leidensmindernd auswirken wird.

Es gibt mittlerweile unzählige Möglichkeiten der Durchführung dieses Anti-Streß-Trainings. Nachfolgend soll nun ein kurzer Exkurs über die Wirkungsweise und Anwendungstechnik der gebräuchlichsten Form des AG erfolgen, auch wenn diese Darbietung nur bedingt  dem Anspruch auf Ausführlichkeit gerecht werden kann.

Wie vielfach geschildert, lösen Streß und Angst häufig Verspannungen aus. Gerade das belastende Symptom Schweißsekretion ist allzuoft Folge von seelischen und körperlichen Verkrampfungs- und Spannungszuständen. Der Vorgang der übermäßigen Transpiration spiegelt ja in eindrucksvoller Weise  diesen Zustand der Gespanntheit wider, in dem der menschliche Organismus in Alarm oder gar Panik gerät, der Organismus sozusagen auf Höchstleistung programmiert wird. Das AG hat demgegenüber die Funktion der Entspannung der Muskulatur und kann demnach durchaus als Umkehr- oder Wandlungsprozeß in einen Zustand körperlicher Ausgeglichenheit  verstanden werden.

Durch die korrekte Praktizierung der Entspannungstechnik wird stressigen Situationen, die sich üblicherweise negativ auf den Körper auswirken, der Resonanzboden entzogen. Die Durchführung der Muskelentspannung erzielt somit eine antagonistische Wirkung. Durch bewußte und willentlich herbeigeführte Entspannungsempfindungen gelangt der menschliche Körper während der Übung in einen immer tieferen Ruhegrad, der mit zunehmender Dauer des Trainierens noch weiter intensiviert wird.

Entspannung zur Reduktion von Stress und Schwitzen

Das eigentliche Ziel des AG ist hierbei, daß sich dieser Ruhezustand nach einer gewissen Dauer praktischen Übens auch auf den Alltag übertragt, der Mensch somit insgesamt  zu mehr Ruhe und Entspannung gelangt.

Um den Effekt des AG unmißverständlich zugänglich zu machen, ist die Erklärung eines psychobiologischen Grundsatzes notwendig. Diese allgemeingültige, auf jedermann zutreffende Regel besagt, daß alle produzierten Gedanken, Emotionen und Vorstellungen die Neigung besitzen, sich auf der körperlichen Ebene zu verwirklichen.

Beispielsweise gibt es eine viele Hyperhidrotiker, die in bestimmten Situationen nur an das Phänomen Schwitzen zu denken brauchen, und schon überkommt sie eine Hypersekretion. Diese charakteristische Eigentümlichkeit der Hyperhidrosis verdeutlicht  in sehr eindrucksvoller Weise die Kraft und Macht der menschlichen Vorstellungsgabe.

Alle Vorstellungen, die im menschlichen Geiste erschaffen werden, zeitigen und verwirklichen sich durch Umstände oder Ereignisse im Leben des Menschen. Der Mensch selbst ist identisch mit seinen Gedanken und Vorstellungsbildern. Was immer er seinem Geist eintrichtert, früher oder später manifestiert sich dieses Gedankengut auf irgendeine Weise in seinem Leben. 

Dieses psychobiologische Grundgesetz kann auch als Wechselspiel zwischen Aktion und Reaktion, zwischen Ursache und Wirkung betrachtet werden. Die Ursache ist der Gedanke, während es sich bei der Wirkung um vollzogene Inhalte und Reaktionen dieser Gedanken handelt. Und diese Reaktionen erstrecken sich vielfach auch auf die körperlich-organische Ebene des menschlichen Lebens.