Gustatorisches Schwitzen - Geschmacksschwitzen

von Dietmar Stattkus (Kommentare: 3)

Gesichtsschwitzen beim Essen - gustatorische Hyperhidrosis

Sehr auffällige Schweißausbrüche bei der Nahrungsaufnahme gehören oftmals auch zum Erscheinungsbild einer symptomatischen Hyperhidrosis. Eine Sonderform dieser speziellen Hyperhidrosis ist das sogenannte gustatorische Schwitzen, auch als Frey-Syndrom, oder fachspezifisch Aurikulotemporales Syndrom bezeichnet.

In der Literatur und aus der medizinischen Erfahrung ist bekannt, dass dieses Syndrom häufiger bei Männern vorkommt, bei Frauen hingegen das sogenannte Flushing (plötzliche Gesichts-, Hals- oder Bruströtung) im Vordergrund steht. Das Problem kann ein Leben lang bestehen. Das Syndrom kann angeboren sein oder sich infolge eines Geburtstraumas einstellen.


Diese abnormale Form des Schwitzens erstreckt sich zonal auf Hautbereiche im Gesicht (Jochbeinregion), am Hals oder den Schulterpartien und wird beim Verzehr jeglicher Speisen oder allgemein durch Geschmacksreize wie Kauen, Beißen oder Schmecken provoziert. Selbst der Gedanke an oder ein Gespräch über das Essen kann diese Form des Schwitzens anstoßen.

Diese Phänomen der Transpiration stellt sich meist völlig unabhängig von der Nahrungszusammensetzung und Nahrungsart ein. Es ist aufgrund seiner Entwicklung meist neurogen, also nervlich bedingt, und kann zur extremen Belastung für den Betroffenen werden. Die Eigentümlichkeit des gustatorischen Schwitzens kann jedoch ebenso eine physiologisch bedingte Hyperhidrosis sein, was sich insbesondere dadurch abzeichnet, dass das Schwitzen auffällig symmetrisch abläuft.

Ursächlich für dieses Geschmacksschwitzen ist eine Fehlleitung (neuronaler Kurzschluss) von Nerbvenfasern und -impulsen. Nerven, die ursprünglich die Speichelsekretion stimulieren werden z.B. nach einem Trauma, infektiösen Erkrankungen oder einer Operation (Parotidektomie: Entfernung oder Teilentfernung der Ohrspeicheldrüse) im Prozess der Regeneration der zuvor geschädigten Nerven an sympathische Nervenfasern angebunden, die die Schweißsekretion steuern.

Vereinfacht ausgedrückt haben die ebenfalls über den Botenstoff Acetylcholin gesteuerten Nervenimpulse zum Speichelfluss ihr primäres Organziel Speicheldrüse verloren und sind nun an den Schweißdrüsen angebunden.

Neurochirurgische Eingriffe zur Behebung des Schwitzens wie die endoskopische transthorakale Sympathektomie können mit einigen Nebenwirkungen verbunden sein. Es kann sich beispielsweise aufgrund der neuronalen Umstellung eine postoperative Reaktion in Form des gustatorischen Schwitzens manifestieren, was sich für den leidenden Patienten als zusätzliche oder neue Belastung und somit als kontraproduktiv erweisen würde, denn die Vermeidung des Schwitzens war ja schließlich das ursprüngliche Behandlungsziel.


 

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Kommentar vonGerlinde Gehring

Sehr geehrter Herr Stattkus, seit Jahren bin ich auf der Suche nach dem Grund meines unerträglichen Schwitzens. Es drückt oberhalb am Kopf heraus, läuft den gesamten Kopf herunter, so dass ich oft (manchmal über 1 Std.) im Gesicht nur tropfe. Diese Attacken kommen aus heiterem Himmel. Sie halten oft sehr lange an und dann wieder etwas kürzer. Vor 4 Wochen war ich zur Hormonuntersuchung. Es wurden Nebennieren, Schilddrüse und viele Blutuntersuchungen gemacht. Es gab kein Ergebnis. Da ich wegen starken Rückenproblemen die Medikamente Targin und Cymbalta einnehme, schob man es darauf. Oft habe ich beim Essen und Trinken gedacht, dass es damit etwas zu tun hat, weil ich dabei Anzeichen gemerkt habe. Aber diese Schwitzattacken treten zu jeder Tages- und manchmal auch Nachtzeit auf. Oft geht es morgens beim Aufwachen, wenn ich noch auf dem Bettrand sitze, schon mit dem Kopf los. Ich merke, wie der Schweiß am ganzen Kopf rausdrückt, dann am hinteren Haaransatz und auf den Schultern. Dann geht es im Gesicht weiter, dann zwischen und unter der Brust. In Knie- und Armbeuge ist es klamm, aber nicht nass. Wie gesagt, so geht es den ganzen Tag über. Ich gehe nur noch mit Frotteehandtuch aus dem Haus und in meiner Wohnung liegen überall Handtücher. Es ist ekelig und überaus lästig. Wenn so ein Anfall vorbei ist, sind die verschwitzten Teile total kalt. Salbeitee hilft auch nichts. Ihr Artikel gibt mir nun zumindest eine Erklärung. Danke dafür. Wieso weiß das denn hier kein Arzt? Gerlinde Gehring

Kommentar vonVogt Elvira

Sehr geehrter Herr Stattkus,
ich bin auch schon seit Jahren auf der Suche nach dem Grund, mir geht es genau wie Frau Gerlinde Gehring, was würden sie mir raten was ich machen kann, da ich in einer Kantine arbeite ist es extem und sehr unangenehm. welchen Arzt sollte ich aufsuchen der sich eventuell damit aus kennt.
Viele Grüsse Elvira Vogt

Kommentar vonPetra Imbery

Sehr geehrter Herr Stattkus,

auch ich kann mich den Schilderungen meiner Vorschreiberinnen nur anschließen. Ich schwitze auch übermäßig, vor allem im Gesicht. Ich hätte sie - so meine Mutter - auch schon als Kind oder Baby gehabt. Da war ich wohl manches Mal, ob mit oder ohne Schreien, total nass am Köpfchen, so meine Verwandten, die sich noch erinnern. Wenn es mir warm wurde, hatte ich mein ganzes Leben lang immer zuerst einen heißen Kopf bzw. schwitzte im Gesicht und Kopfhaut, sodass es mir an Stirn, Hals, Schläfen und Nacken runterlief. Ich komme mit normalen Taschentücher nicht mehr nach, alles aufzutupfen. Auch beim Essen, gerade wenn es noch warm ist dazu, schwitze ich meistens übermäßig. Natürlich kann ich manche Reaktion auf bestimmte (scharfe oder gewürzte) Speisen oder Getränke (Alkohol, aber auch kohlensäurehaltig) zurückführen. Ich hatte übrigens immer ein Problem mit dem starken Schwitzen, vor allem im Gesicht, dagegen Achseln, Hände und Füße eher weniger, auch mit unterschiedlichem Körpergewicht und Alter. Ich bin jetzt 55 Jahre und habe schon 20 bis 30 kg weniger gewogen. Das mit dem Schwitzen ist immer gleich geblieben, vielleicht mit der Gewichtszunahme etwas mehr, aber nur bei erklärbaren Temperaturen, also wenn alle schwitzen und die dickeren Leute halt etwas mehr. Das würde mich ja weniger stören, schon allein deswegen, weil man es erklären kann. Aber mein Schwitzen lässt sich nicht erklären.
Freundliche Grüße
Petra Imbery